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Übernehmen statt Gründen

Ramona Mietzschke

Ramona Mietzschke hat nicht ein eigenes Unternehmen aufgebaut, sondern ein bestehendes übernommen. Wir wollten von ihr genauer wissen, was sie dazu motiviert hat und wie das abgelaufen ist.

Liebe Ramona, wieso hast Du übernommen und nicht selbst gegründet, hattest Du keine gute Idee?

Angefangen hat alles mit dem Wunsch, nach Berlin zu ziehen und auch dort zu arbeiten. Ich war zum damaligen Zeitpunkt stellvertretende Geschäftsführerin in einem großen Unternehmen, beruflich viel unterwegs und suchte ein festes Lebens- und Arbeitsumfeld. Ideen gab es viele. Nur bei genauerem Hinsehen stellten sich oft die Fragen: „Ist das überhaupt realistisch? Traue ich mir das zu? Kann ich das finanziell leisten?“ An eine Übernahme dachte ich überhaupt nicht. Das war mir fremd.

Wie hast Du Dein passendes Unternehmen gefunden?

Sagen wir es mal so, das passende Unternehmen hat mich gefunden. Eine Freundin arbeitete in einer Eisdiele und der Besitzer wollte verkaufen. Nachdem sie mir davon erzählte, holte ich sie einige Male ab, aß ein Eis und trank einen Kaffee. Ich schaute mir die Umgebung, die Kunden und das tägliche Geschäft an. Danach sprach ich mit dem Besitzer und wir lernten uns ein bisschen kennen. Ich hatte natürlich tausend Fragen, die alle beantwortet werden wollten. So reifte die Idee der Übernahme Schritt für Schritt. Als es soweit war, eine Entscheidung zu treffen, flog ich für zwei Wochen in den Urlaub. Dort hatte ich ausreichend Abstand, die Dinge noch einmal mit klarem Verstand zu betrachten.

Wolltest Du schon immer eine Eisdiele führen oder gerne Unternehmerin sein?

Ich glaube, wenn man keine Unternehmerin sein will, sollte man das Führen einer Eisdiele lassen.

Hat die Übernahme lange gedauert?

Wenn ich mein Wunsch/Ziel nach Berlin zu gehen als Ausgangspunkt nehme, gute anderthalb Jahre.

Was lief gut?

Ein bestehendes Unternehmen hat ja auch bestehende Zahlen, Daten, Fakten. Das sind Bilanzen, die man zur Unterstützung bei der Kalkulation von anstehenden Investitionen nutzen kann. Hinzu kommen Monats- und Jahresumsätze zur Berechnung der zu erwartenden Umsätze und Gewinne. Daneben gibt es Miete, Strom, Versicherung, Personalkosten und vieles mehr an Ausgaben, was man auf den ersten Blick nicht sieht. Das waren wertvolle Informationen, die im ausreichendem Maße vorhanden waren und damit eine große Hilfe. Auch die Informationen zu den Gewohnheiten, Vorlieben und Wünschen der Kunden sowie die Gespräche mit den Mitarbeitenden und Vertragspartnern waren eine große Unterstützung.

Was lief nicht so gut?

Nicht so gut würde ich nicht sagen, aber es hat mich mehr Zeit und Kraft gekostet, weil es nicht meine erste Leidenschaft war. Dazu gehörten Behördengänge für Genehmigungen, An- und Abmeldungen, Abschließen von Verträgen mit Vermietern, Vertragspartnern über Versicherungen bis hin zum Stromanbietern. Das alles hat mir viel zu lange gedauert, mal abgesehen von den Kosten.

Hast Du Unterstützung in Anspruch genommen wie Finanzierung und Beratung?

Ja, ohne Unterstützung hätte ich die Phase der Vorbereitung bis hin zur Entscheidung und das erste Jahr nicht erfolgreich gemeistert. Eine große Unterstützung waren in erster Linie meine Familie und Freunde, mit denen ich Risiken und Chancen besprechen konnte, die mir Mut zusprachen aber auch kritisch hinterfragten. Wichtige Informationen zu allen betriebswirtschaftlichen Ein- und Ausgaben erhielt ich von meiner Buchhalterin. Bei der IHK Berlin informierte ich mich zu Gesetzen und Kursen für den Einzelhandel. Finanziell war ich gut aufgestellt und brauchte deswegen nur einen kleinen Kredit für den Notfall. Von Vorteil waren auf jeden Fall meine Erfahrungen mit BWL-Zahlen, Personalführung und Kundenservice, die mir in der einen oder anderen Situation das nötige Selbstvertrauen gaben, um Herausforderungen anzugehen. Ansonsten hätte ich sicherlich auf eine professionelle Beratung zur Übernahme zurückgegriffen, soweit das 2001 möglich war.

Warum hast Du das Unternehmen nach 7 Jahren wieder abgegeben?

Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Ich habe viel gelernt und mich persönlich weiterentwickelt. Ich kannte 80 Prozent meiner Kunden mit Namen, hatte viele schöne Erlebnisse und ein tolles Team an Mitarbeitenden. Wie der Volksmund schon sagt: Frau soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Ich brauchte eine Veränderung und neue Herausforderungen.

Was machst Du heute?

Nach dem Verkauf nahm ich mir ein halbes Jahr Zeit, machte Urlaub und überlegte mir, worauf ich Lust hatte, wo meine Leidenschaft und Kompetenzen liegen. Ich absolvierte eine einjährige Coachingausbildung, diverse Weiterbildungen und paarte diese mit meinen Erfahrungen als Führungskraft und Ausbilderin in der Wirtschaft sowie als erfolgreiche Unternehmerin. Seit Ende 2009 arbeite ich selbstständig als Coach und Trainerin für Mitarbeitende in Unternehmen. Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die klare, wertschätzende Kommunikation für eine menschliche Unternehmenskultur. www.mietzschke-coach.com

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Autor: Andrea Rochlitz

Seit 2006 bin ich begeisterte Unternehmerin. Inzwischen habe ich über 100 Firmen zu ihrer Corporate Identity beraten. Was macht ein Unternehmen aus, welche Werte und Visionen stehen dahinter und wie können diese dem Kunden vermittelt werden? Diese Fragen möchte ich gerne gemeinsam mit dem Existenzgründer klären. Als sehr kreativer Mensch habe ich für meine Mandanten oft auch ungewöhnliche Ideen für das Marketing.

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